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Animal Hoarding: Er hat überlebt

35 tote Hunde in Kärnten hätten nicht sein müssen

 

Auf einem unbewohnten Anwesen im Kärntner Lavanttal wurden 35 tote Hunde entdeckt. Die Tiere waren in Plastiksäcken verscharrt und sind vermutlich verhungert. Soweit die trockene Agenturmeldung von Ende Juli. Typischer Fall von Animal Hoarding.

 

Die Obduktionsergebnisse sind noch nicht da. Eine 38-jährige Klagenfurterin, die auf dem Anwesen gelebt hatte, wurde angezeigt. Elf andere Hunde haben überlebt. Sie wurden der Klagenfurterin zuvor abgenommen. Auf Initiative von Tierfreunden, die dem Treiben der Frau nicht länger zuschauen konnten.

 
Eine von ihnen ist Conny Pint. Pint ist Geschäftsführerin und Inhaberin von Larve Matters, ein Unternehmen, das Veterinärfuttermittel auf Basis von Insekten herstellt. Im März witterte Pint nach einem Gespräch mit der Klagenfurterin erstmals Ungereimtheiten. Der Verdacht sollte sich bewahrheiten, in der Einfahrt des ehemaligen Wohnsitzes war der Verwesungsgeruch ganz deutlich. Auf einem abgesperrten Grundstück Nachschau zu halten ist nicht einfach. Es dauerte bis in den Juli, bis das Team genug in Händen hatte, um endlich ernstgenommen zu werden.
 

Abnahme nach Intervention von Tierfreunden

Elf Hunde wurden der Frau abgenommen, alle in jämmerlichem Zustand. Die meisten kamen in ein Tierheim nach Deutschland, Einige zurück zu den ursprünglichen Besitzern, einer zur Hellhound Foundation, wo er bis an sein Lebensende bleiben darf. Und einer kam zu Conny Pint, verwurmt, nicht geimpft, dreckiges Fell, tränende Augen, sehr schlechte Hüften und eine erst zum Teil abgeheilte Schädelfraktur. Traumatisiert, wie die anderen Hunde.
 
„Angesichts dessen hat sich der kleine Racker super eingelebt“ erzählt Pint. „Er fühlt sich in seiner neuen Familie sehr wohl, er hat ein Körbchen, nein, eigentlich ein Bett, er wurde von unseren Hunden sehr positiv aufgenommen, er hat Spielpartner und Futter ist wieder Normalität“. Aber das wichtigste sei, sagt Pint, dass er eine Familie gefunden habe, ein Rudel, das ihn nicht attackiert oder verletzt, egal ob Mensch oder Tier.
 
Über die gesundheitlichen Probleme macht sich Pint keine Illusionen. „Die werden ihn  ein Leben lang begleiten, aber er hat Spaß, er ist ein richtiger Sonnenschein und dankbar für jede Minute in seinem neuen Zuhause.“
 

Nicht aufgeben, auch wenn es lange dauert

Happy End? Nicht für die 35 und es hätte nicht sein müssen. Es melden sich immer mehr Personen, die der Frau einen Hund gegeben haben in der Annahmen, sie hätten einen tollen Platz gefunden und viele dieser Hunde gelten nun alle als vermisst. Pint: „Ich kann nur sagen, man soll nicht aufgeben, wenn es den Verdacht auf Animal Hoarding gibt.“ Nach Meinung des Teams kamen noch andere Hunde zu Tode, von denen bis jetzt gar nichts bekannt ist. „Es hat viel zu lange gedauert, bis wir den Machenschaften ein vorläufiges Ende bereiten konnten.“
 

Die fatale Lücke im Gesetz

Vorläufig? Pint: „In Österreich haben wir Lücken im Gesetz. Wird in einem Bundesland ein Tierhalteverbot ausgesprochen, kann man im nächsten Bundesland neu starten, weil das Tierhalteverbot nicht länderübergreifend gilt. Zumindest eine länderübergreifende schwarze Liste für Behörden wäre sinnvoll. Dann könnte man bei neuerlichen Anzeigen sicher effektiver und schneller einschreiten.“
 
 
 

Aus Wikipedia


Tierhortung (auch: Tiersammelsucht, englisch animal hoarding) ist das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren. Als Animal Hoarder oder Tierhorter werden Personen bezeichnet, die eine Vielzahl von Tieren auf engem Raum halten, ohne die Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können. Betroffene Personen sind nicht mehr in der Lage, auf die Haltungsmängel und die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der eigenen Person oder der Haushaltsmitglieder zu reagieren.


Nach der zugrundeliegenden Motivation unterscheidet man vier Typen von Tierhortern: Den übertriebenen Pfleger, den Rettertyp, den Züchtertyp und den Ausbeutertyp. Abgesehen vom Züchtertyp leiden Tierhorter häufig an psychischen Störungen, die Tierhortung ist aber keiner spezifischen Störung zuzuordnen.


Auflagen und Strafen werden aber häufig umgangen oder zeigen nur kurzzeitige Wirkung. Die Einsicht des Tierhorters und gegebenenfalls eine psychologische Betreuung sind zur Lösung solcher Problemfälle meist unverzichtbar.

 

Conny Pint, Larve Matters, Hundefutter auf Insektenbasis