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Der Ziesel Glück im Unglück

Gefunden, aufgepäppelt und bald wieder in Freiheit


Die Mutter wurde  überfahren, die Jungtiere irrten daneben auf einer Straße in Niederösterreich verwirrt umher, wurden von einer Dame eingesammelt und zu einem Tierambulatorium nach Ternitz gebracht. Die Hilfe kam gerade noch rechtzeitig. Die rund drei Wochen alten Jungtiere waren stark dehydriert, eines schwebte bereits in akuter Lebensgefahr. In der zum Wiener Tierschutzverein gehörigen Wildtierstation in Gloggnitz wurden sie aufgepäppelt und beobachtet.


Nun kann vorsichtig Entwarnung gegeben werden. Die Ziesel erhalten weiterhin Aufzuchtmilch, beginnen aber bereits damit, auch feste Nahrung in Form von Nüssen selbstständig zu sich zu nehmen, was ein gutes Zeichen ist. Läuft alles nach Plan, so werden die Ziesel, sobald sie sich komplett selbstständig ernähren können, in ein großes Terrarium mit viel Erde umgesiedelt, wo sie auf die Auswilderung vorbereitet werden, die in einigen Monaten stattfinden kann.

Aus der Familie der Hörnchen und stark gefährdet


Das Europäische Ziesel (Spermophilus citellus) ist ein gelb-braun-graues, mittelgroßes Nagetier aus der Familie der Hörnchen. Es ist ein Verwandter von Eichhörnchen und Murmeltier und in Österreich im pannonischen Tief- und Hügelland beheimatet. Aktuelle Vorkommen des Ziesels reichen vom östlichen Waldviertel über Wien bis hinein in das Mittelburgenland. Seinen Lebensraum findet es auf kurzrasigen Wiesen und Weiden. Es gilt in Österreich als stark gefährdet und ist streng geschützt. Charakteristisch ist das "Männchen-Machen", was den Tieren zu einer besseren Übersicht verhilft und das rechtzeitige Erkennen von Gefahren ermöglicht. Außerdem geben die Tiere bei Gefahr ihre typischen Pfiff-Laute von sich.


Gerade in Wien mussten und müssen die bedrohten Tiere aber immer wieder Wohnbauprojekten weichen und verlieren zunehmend ihren natürlichen Lebensraum. „Es wird höchste Zeit, dass Artenschutz eine Top-Priorität in Österreich und ein Wert der Zukunft wird. Auch bei einem modernen Wohnbau sollte dies längst so sein und nicht immer nur von Tierschutzorganisationen so gesehen werden“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.