Frischfutter, Wildkrauter und Co sind für Kaninchen mit Vorsicht zu genießen

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Die Sterngucker-Krankheit: 80 % der Kaninchen sind mit Mikrosporidien infiziert

Kaninchen/neurologische Erkrankung/Parasiten/Diagnose - news am 5. Mai 2020

  • Frisches Gras, Wiesenblumen, Löwenzahn und Kräuter können gefährliche Sporen übertragen 
  • Sie werden durch Wildkaninchen verbreitet
  • Schwere neurologische Erkrankungen können die Folge sein
  • Nicht nur Hauskaninchen auch Mäuse, Ratten, Füchse, Katzen und Hunde können betroffen sein
  • Die Symptome sind bei jeder Tierart anders.

 

Ein Spaziergang in der Natur verführt dazu, dem Kaninchen frisches Gras, Wiesenblumen, Löwenzahn und Kräuter mitzubringen. Mit diesem Frischfutter können aber gefährliche Sporen übertragen werden.

1. Die Sterngucker-Krankheit

Die Sterngucker-Krankheit, Enzephalitozoonose, wird durch Mikrosporidien verursacht. Die Sporen der Einzeller werden vor allem durch Wildkaninchen verbreitet. Sie können schwere neurologische Erkrankungen verursachen.

Bei der Sterngucker-Krankheit handelt es sich um eine Zoonose. Der Erreger kann auch auf Menschen übertragen werden. Gefährdet sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. 80 % der Kaninchen tragen die Mikrosporidien in sich, ohne zu erkranken.

2. Die Ursache

Enzephalitozoon cuniculi ist ein einzelliger Parasit, der für seine Vermehrung andere Zellen benötigt. Die gebogenen Stäbchen bilden nach dem Befall der Zellen Sporen, die durch zwei Schichten gut geschützt sind. In der Umwelt können die Sporen bis zu drei Monate überleben.

Derzeit sind drei verschiedene Typen bekannt:

Typ I: verursacht Erkrankungen bei Hauskaninchen und Menschen
Typ II: infiziert Mäuse, Ratten, Füchse und Katzen
Typ III: ist ansteckend für Hunde und Halbaffen

3. Wie sich Kaninchen anstecken können

  1. Die Sporen werden mit dem Harn von infizierten Kaninchen ausgeschieden und verunreinigen den Boden und die darauf wachsenden Pflanzen.
  2. Fressen Kaninchen das verunreinigte Grünfutter, können sich die Sporen in den Darmzellen vermehren.
  3. Das Immunsystem der Kaninchen reagiert mit der Bildung von T-Zellen.
  4. Ein Teil der Sporen wird von den Fresszellen (Makrophagen) aufgenommen und mit dem Blut in andere Organe verbreitet.

Da die Sporen sehr resistent sind, können sie nicht durch Einfrieren oder Trocknen des Futters abgetötet werden.

4. Symptome für eine Ansteckung sind:

Überblick über die Symptome bei Kaninchen:

  • Kopfschiefhaltung
  • Lähmungen 
  • Umfallen durch Verlust des Gleichgewichtssinnes 
  • Epileptiforme Anfälle 
  • Fressunlust 
  • Gestörte Verdauung und Abmagerung
  • Blindheit 
  • Taubheit 
  • Verklebte Augen und Nase

Wichtig: Die Symptome treten nicht gleichzeitig auf. Die meisten Kaninchen zeigen nur eines der Symptome. Am häufigsten kann die Schiefhaltung des Kopfes beobachtet werden.

80 % der Kaninchen sind mit Mikrosporidien infiziert. Sie zeigen über viele Jahre keine Krankheitserscheinungen. Erst wenn durch Stress oder eine andere Erkrankung das Immunsystem geschwächt ist, befallen die Mikrosporidien andere Organe.

Sie siedeln sich vor allem in den Nieren an und verursachen eine chronische Nierenentzündung. Die Kaninchen trinken vermehrt und fressen nicht mehr genug. Die Verdauung ist gestört.

Breitet sich Enzephalitozoon cuniculi über die Nervenbahnen bis in das zentrale Nervensystem aus, können die typischen neurologischen Symptome beobachtet werden. Die Kaninchen halten den Kopf schief, ihre Augen bewegen sich schnell (Nystagmus). Sie fallen um und drehen sich immer wieder um die Längsachse. Durch diese Bewegungen können sich die Tiere schwer verletzen. Nach einiger Zeit treten auch Krämpfe und Lähmungen der Extremitäten auf.

Durch Kontakt mit einem infizierten Kaninchen können die Mikrosporidien auch auf Menschen übertragen werden. Die Sporen gelangen mit dem Harn in das Fell und werden durch Streicheln übertragen. Es handelt sich bei der Sterngucker-Krankheit also um eine Zoonose.

Gefährdet sind vor allem Menschen, die kein gutes Immunsystem besitzen. Können die Mikrosporidien nicht durch das Abwehrsystem bekämpft werden, erkranken die Menschen an Durchfällen, Fieber, Muskelschmerzen und Nierenversagen.

5 Wie kann eine Diagnose gestellt werden?

Da auch gesunde Kaninchen Antikörper gegen Mikrosporidien gebildet haben, ist eine Blutuntersuchung nicht aussagekräftig.

Die Ausscheidung der Sporen beginnt fünf Wochen nach der Infektion. Diese findet aber auch bei Kaninchen statt, die nicht erkrankt sind.

Daher kann nur aufgrund der klinischen Erscheinungen eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Gesichert wird die Diagnose nach dem Tod des Kaninchens durch eine pathologische Untersuchung. Enzephalitozoon cuniculi wird mit PCR (Polymerase Kettenreaktion) in den Organen nachgewiesen.

6. Können erkrankte Kaninchen behandelt werden?

Die Behandlung erfolgt mit Antiparasitika. Vor allem Fenbendazol und Albendazol sind wirksam. Durch diese Therapie wird die Zahl der Mikrosporidien reduziert. Eine vollständige Abtötung ist nicht möglich. Nach einer Zeit können daher Rückfälle auftreten.

Da bei dieser Erkrankung das Immunsystem geschwächt ist, müssen die Kaninchen mit Antibiotika behandelt werden, um sekundäre Infektionen mit Bakterien zu vermeiden.

Durch Infusionen wird die Nierenfunktion unterstützt. Frisst das Kaninchen nicht mehr, muss es zwangsernährt werden.

B-Vitamine unterstützen die Heilung des Nervengewebes. Durch Kortison kann der Appetit angeregt werden. Als Nebenwirkung tritt aber eine Schädigung des Lebergewebes auf.

Fenbendazol darf nicht auf Dauer verabreicht werden, da die Mikrosporidien mit der Zeit resistent gegen den Wirkstoff werden. Das Immunsystem wird durch Fenbendazol unterdrückt. Das Risiko für ein neues Aufflammen der Erkrankung steigt.

Die Therapie kann mit Cerebrum compositum, das die Heilung der Nerven fördert, unterstützt werden.

Kranke Kaninchen sollten nie hochgehoben werden, da sie durch Störung des Gleichgewichtssinnes leicht die Orientierung verlieren. Das Hochheben kann Drehbewegungen auslösen.

Nach der Erkrankung können schwere neurologische Störungen zurückbleiben. In diesem Fall sollte über eine Euthanasie nachgedacht werden.

7. Eine Ansteckung von Menschen ist möglich!

Personen, deren Immunsystem geschwächt ist, sollten keinen direkten Kontakt mit Kaninchen haben. Bei Verdacht auf eine Infektion mit Enzephalitozoon cuniculi können die Mikrosporidien in einem Tropeninstitut aus dem Kot nachgewiesen werden.

7. Wie Sie einer Infektion mit Enzephalitozoon cuniculi vorbeugen können

Eine Impfung gegen Mikrosporidien ist derzeit nicht erhältlich. Die beste Vorbeugung ist Hygiene. Futterstellen und Tränken sollten immer mit kochendem Wasser gereinigt werden. Auch Zitronensäure tötet über 80 % der Sporen ab. Sie kann für die Reinigung und Desinfektion von Toiletten verwendet werden, da die Säure Urinstein auflöst.
Desinfektionsmittel mit Alkohol und Formaldehyd müssen mindestens 30 Minuten lang einwirken, um ausreichend Sporen abzutöten.

Erkrankte Kaninchen sollten früh behandelt werden. Eine Isolation von anderen Kaninchen des Bestandes ist nicht notwendig, da 80 % aller Kaninchen mit Mikrosporidien infiziert sind.

Sammeln Sie kein frisches Grünfutter in Gebieten, in denen Infektionen mit Enzephalitozoon cuniculi häufig auftreten. Waschen Sie das gesammelte Gras und die Kräuter mit heißem Wasser. Durch Einfrieren können die Mikrosporidien nicht abgetötet werden.